Woche 8: Pfingsten auf dem Zionsberg
Willkommen zurück, liebe Leser und Leserinnen.
Pfingsten in Jerusalem - schon der Gedanke daran fühlt sich schon besonders feierlich an. Pfingsten an dem Ort zu feiern, wo es wirklich stattgefunden hat: In Jerusalem auf dem Zionsberg. Pfingsten wird im Abendmahlsaal verortet. Allerdings kann dieser nicht so gut für größere Veranstaltungen verwendet werden. Die Kirche der Dormitio Abtei steht allerdings direkt daneben und wird somit als Kirche verwendet, wenn das Pfingstfest gefeiert wird. Die Tage rund um Pfingsten waren mit allerlei Besonderheiten gefüllt. Am Besten fange ich aber erstmal von vorne an.
Am Freitag sind die Mönche und Schwestern aus Tabgha nach Jerusalem gekommen. Tabgha ist ein Priorat der Dormitio-Abtei, also ein weiteres Kloster, das zur Abtei auf dem Zionsberg gehört. Auch wenn Tabgha weit weg am See Genezareth liegt und einen teilweise anderen Rhythmus lebt, sind wir durch die gemeinsame Regel und Spiritualität eng miteinander verbunden. Über Tabgha selbst konnte man ja schon in den letzten Blogs was lesen. Es hat fast schon was Symbolisches, dass gerade dieses Fest der Gemeinschaft, der Verständigung und des Aufbruchs uns alle an einem Ort vereinte – und das noch dazu genau dort, wo Pfingsten traditionell verortet wird.
Samstag und Sonntagmorgen wurde dann alles vorbereitet, wobei ich den beiden Sakristanen half. Man merkte schon, dass etwas Großes bevorsteht und Sonntag ging es dann so richtig los. Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, war der Hauptzelebrant der Pfingstmesse. Schon früh am Morgen füllte sich die Kirche. Es kamen die Priester und alle möglichen weiteren Geistige, verschiedenste Ordensleute, die Messdiener, Pilger, Gäste, Jerusalem-Bewohner, Gläubige aus aller Welt. Der Raum war voller Leben – voller Sprachen, Traditionen und Erwartungen. Pfingsten in seiner ursprünglichsten Form, könnte man sagen: Vielfalt unter einem Dach, vereint im Gebet und im Glauben. Die Pfingstliturgie war ebenso feierlich wie beeindruckend. Viel Weihrauch, prachtvolle Gesänge und passend zu Pfingsten die Lesungen, Fürbitten und das Evangelium in verschiedenen Sprachen. Am Ende der Messe fiel dann ein regelrechter Blumenregen von oben in die Kirche herab – rosafarbene und weiße Blüten, die durch die Kuppelöffnung runterregneten, als Symbol für das Herabkommen des Heiligen Geistes. Die Menge schaute staunend nach oben, manche filmten, andere hielten einfach inne. Danach gab es dann ein feierliches Mittagessen. Währenddessen feierten dann die Äthiopisch Orthodoxen in der Dormitio Kirche ihren Gottesdienst. Auch sie wollten Pfingsten da feiern, wo es stattgefunden hat. Im Abendmahlsaal selbst gab es auch eine Vesper, veranstalten von den Franziskanern hier im Land, der ich am Nachmittag beiwohnte. Abends wurde bei uns dann noch eine Pontifikalvesper gefeiert.
Montag ging Pfingsten dann weiter. Ein ökumenischer Gottesdienst wurde veranstaltet: Der evangelisch-lutherische Probst und einige evangelische Christen kamen in die Dormitio. Der Probst und der Abt zelebrierten den Gottesdienst gemeinsam. Danach wurde ein kleiner Empfang veranstaltet. Mit Pfingsten ging auch die Osterzeit zu Ende, was wir am Dienstag auch in die Tat umsetzten. Die Kirche wurde quasi "entostert". Jetzt beginnt die Zeit im Jahreskreis wieder. Ansonsten war am Dienstag ganz normaler Klosteralltag für mich. Es gab wieder einige Bücher zu etikettieren und Abends habe ich mit Pater Simeon einen Vortrag zu den Samaritanern besucht. Über die war mir vorher kaum was bekannt, außer die zwei Geschichten, die man aus der Bibel kennt. Der barmherzige Samariter und die Frau am Brunnen. Das ich vorher so wenig über die Samariter gewusst habe, war allerdings kein Problem. Eher im Gegenteil: Es machte den Vortrag nur umso interessanter, da ich viel mehr neues lernen konnte. Am Mittwoch kehrte ich dann wieder zum gewohnten Klosteralltag zurück.
Danke für das Lesen (:
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